A rocket to a new dimension.
Enter Shikari, das sind vier Jungs aus dem Norden von London (St. Albans City), die sich 2003 zu einer Band zusammenrauften, mit dem großangelegten und beherzten Plan die Musik-Szene dahingehend aufzumischen, dass sie so viele Musikrichtungen wie möglich in ihrem Sound vereinigen/versöhnen. Aus einer Konfusion vieler verschiedener Genres, wie Hardcore, Punk, Trance und Euphoric versuchten sie einen eigenen Sound herauszuarbeiten. Mit Erfolg, wie man mittlerweile hören kann.
Den Namen Enter Shakira haben die Musik-Philosophen aus dem Indischen abgeleitet, was soviel heißt, wie “Enter the Hunter”, wobei es sich bei Hunter um eine alter Figur aus einem indischen Theaterstück handelt, die heutzutage mit der Metapher positiver Aggressivität behaftet ist. Genau das ist es, was Enter Shikari mit ihrer Musik versuchen darzustellen. Sie lassen euphorischen Dampf ab und das bei jedem Auftritt, wie sich nach drei Jahren finanziell fruchtlosem Touren auch endlich in Untergrund-Szene rumsprach und die ersten Wiederkehrer zu den Bühnen eilten. Zwar hatten die vier Herren von der Inseln noch immer keinen Vertrag in der Tasche, aber so langsam begann die Maschinerie der Mundpropaganda einen Hype auszulösen, der sich wie ein Lauffeuer ausbreitete.
Die Band pushte dieser schleichende Prozess so ungemein, dass sie ein weiteres Jahr durchs ganze Land tourten und dem Publikum zeigten, wie es ist selbst auf der Bühne zu stehen, selbst ein Teil des Schauspiels zu sein, dass Enter Shikari bei jedem Gig inszenierte. In der zweiten Jahreshälfte 2006 gelang ihnen auf dem Donwload-Festival dann endlich der Durchbruch und auch die Medien zeigten jetzt ihre Aufmerksamkeit. Dennoch blieb ihnen ein Plattenvertrag verwährt, was sie jedoch (mit Stolz) zur zweiten Band ohne Vertrag machte, die jemals das London Astoria komplett ausverkauften. Nach vier Jahren und etlichen EP’s und Singles, die zum Teil in der Garage vom Basser Chris aufgenommen wurden, erschien im Juni 2007 das erste Studio-Album “Take to the Skies”.
Das Album überzeugt von Anfang an mit einer klaren Linie: Es gibt keine klare Linie. Mit einem waren Zauberkessel an Ideen kommen Enter Shikari schon im gleichnamigen Opener daher. Ein ständiger Wechsel zwischen sphärischen Trance-Melodien, harten Gitarren-Riffs, melodischen Clear-Vocals und ausgelassenem Gebrülle zieht sich (als wohl einzig erkennbarer roter Faden) durch die gesamte Platte. Nach jedem Song, ist man gespannt wie wohl der nächste beginnen und enden wird. Es gibt kein Muster und das gefällt. Scheinbar auch den Akteuren, die sich fast schon zu aufdringlich auf keine Richtung festnageln lassen wollen. Ein weiteres Zeichen des “Alternativ-Wahns” setzten die vier Jungs damit, dass sie einfach 5 Songs auf dem Album ohne Namen ließen, als wollten sie sagen: “Gebt ihnen selbst einen Namen, ihr seid keine Statisten in unserem Rollenspiel!”.
Auf eine zum teil beklemmende Art und Weise schmettert einem die Band kritische Denkanstöße entgegen, die einen dazu bringen sein Leben an sich vorüberziehen zu lassen und an Freiheit (in jeglicher Hinsicht) zu denken. Man sieht sich seiner Lebenserwartung gegenübergestellt.
Weitere Highlights der Platte sind ohne Frage “No Sssweat”, ein Song der mit vielen Synthies und leisen Gitarren aufwartet, begleitet von einem knabenchor-ähnlichen Refrain, der durch harte Schreie untermalt wird. Aggressiver dagegen geht es bei “Return to Enegizer” zur Sache, ein Song der mit kräftigem Metalcore beginnt, einen sehr eindringlichen Chorus bietet und von einer kurzen Trance-Hymne wieder in die Welt schwingender Saiten überleitet. Ein Song, den man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt. Der wohl kraftvollste Song kommt an Platz 12, “Sorry, You’re not a Winner”. Ein Song, den man sich auf der ebenfalls im Juni 2007 erschienen Single “Jonny Sniper” auch live zu Gemüte führen kann. Eine Ansage an alle Sesselpupser dieser Welt, die sich für die größten halten und nicht wissen, was es heißt ein aufregendes Leben zu führen. Zugleich eine Danksagung an all die Enthusiasten, die der Band zu Seite standen und stehen. Das große Finale bringt dann “OK, Time for Plan B” zusammen mit dem unbetitelten Outro. Hier wird noch einmal deutlich gemacht, dass es keinen musikalischen Masterplan bei Enter Shikari gibt, ebenso wie der Titel des Songs, ist das Stück selbst hin- und hergerissen zwischen der Manigfaltigkeit aller Einflüsse, die in die Musik der Jungs Einzug halten. Aber ein richtiges Ende des Albums gibt es eigentlich nicht, da man sofort nach dem Durchhören den Repeat-All-Knopf drückt und nochmal von vorn anfängt. Ein wahrlich fesselndes Erlebnis.
Fazit: Endlich mal was Neues! Wer diese Platte nicht sein Eigen nennt, ist selbst Schuld!
Enter Shikari sind:
Rou – Vox / Electronics
Chris – Bass / Vox
Rory – Guitar / backing Vox
Rob – DrumsOffizielle Homepage: http://www.entershikari.com
“Take to the Skies”, erschienen Juni 2007 auf P.I.A.S (rough trade)
http://www.piasrecordings.de/



