Die Welt ist tot. Erstickt im Gestank der kleinkriegerischen Gefechte ihrer Bewohner, die sie Tag und Nacht an den heimischen Feuerstellen vollführen. Die Masken sind schon längst verwachsen, sie haben die Gesichter der Menschen ins Unkenntliche entstellt. Nur einige – die Überlebenden – sind noch im Stande sie unter Schmerzen vom Angesicht zu reissen. Doch dann, was ist aus uns geworden: als Märtyrer und maskiert durch die Strassen schreitend, Blut der Mitschuld an den Händen – schweren Gewissens erblicken wir die Vorsicht der Vergangenheit. “Ein jeder würde sich seiner Verantwortung bewusst sein und seinen Taten erhaben Überlegung und Weisheit schenken.” Ellegien im dunklen Sumpf der Narren, wo Geblendete des Sehens mächtiger sind als der kranke Rest.
Wir sind soweit, dass ich Künstler bin. ein Arzt im Krankenhaus, aufgebaut vor den Röntgenbildern der Patienten. Notizen für die Caritas…
“MEMO
Das Gesicht der Welt trägt Narben. Fremde Nachbarn stehen hinterblieben im Theater, still und voller Unmut lauschen sie dem Protagonisten auf der Bühne. Die Stuhlreihen vor ihnen bleiben leer. Eine Schar Kellner schreitet durch die starrsichtige Menge. Sie verteilen Champagner und Zigarren. Der Bühnenvorsteher kehrt und windet seine Stimme. Virtuos schwanken die Leiber im Hinterhof der Plastikwüste
- Lachen. Weinen. Gespannt sabbern und knabbern sie die Biskuits vom kalten Buffet. Die Luft beginnt vom Geruch der wiegenden Körper zu schwitzen. Hände und Geschrei treiben in die schneidbare Glut aus Sauerstoff und Schweiss. Die Schweisstropfen nässen den Sockel der Bühne, den schmalen Grad zwischen Schauspiel und Publikum. Die Kellner kleiden sich mit Gummistiefeln, servieren weiter Häppchen und Feuerwasser. Der Protagonist zwischen den vorhängen dirigiert das Ende seiner Rede. Kinder und Frauen drängen vor ihren Männern und Vätern aus den Palasttoren, steigen auf Rad und Panzerwagen.”
Wir sind viritale Überlebende, das lässt die Masken leichter tragen, wir hören auf uns zu bewegen, um die Fesseln nicht länger zu verspüren.
Ich bin krank. Der Liebsten Gesäusel ist ein Nervenspiel. Vulgäre Körperwelten treiben mir ins Gemüt beim Anblick ihresgleichen. Nur innerlich werde ich noch rot vor Scham, alles andere ist heisser Trieb. Manchmal sehe ich ihn in den Menschen, in den schüchtern abgerundeten Gesten von Freude und Heimligkeit.



